Fremdsprachen-Legasthenie (Englisch)

BuchDer Fremdsprachenerwerb stellt in der Regel für legasthene Kinder eine große Herausforderung dar. Es ist deshalb wichtig, dass Eltern sich vorab in der weiterführenden Schule erkundigen, wie dort mit dem Problem Legasthenie und Fremdsprachen umgegangen wird. Betroffene Kinder benötigen auch im Fremdsprachenunterricht intensive Unterstützung und Lernmethoden, die das Vorhandensein einer Legasthenie berücksichtigen.
Oftmals gibt es, wenn eine Fremdsprache erlernt wird, einen Rückfall in der Muttersprache. So kann es sein, dass ein Kind in Deutsch dann plötzlich wieder „Fater“ schreibt, weil es sich an „father“ erinnert.

Der weitgehend praktizierte kommunikative Ansatz im Englischunterricht entspricht nicht den Arbeitsvoraussetzungen der Schüler, die Legastheniker sind. Der Großteil dieser Kinder hat individuell abgestufte Verarbeitungsschwierigkeiten bei Sprachlauten und/oder bei der Arbeit mit sprachlichen Informationen sowie mit dem hohen Tempo des Unterrichtsgesprächs. Besonders im Anfangsunterricht werden die neuen Laute und Sprachstrukturen für die Bedürfnisse legasthener Schüler vielfach zu schnell vermittelt. Die individuelle Lautproduktion (Aussprache) sollte einwandfrei sein, weil man selbst bei nur leicht falscher Aussprache fehlerhafte Schreibungen produziert (to think ↔ to sink, he's ↔ his…..). Empfehlenswert ist anfangs eine tabellarische Übersicht mit den wichtigsten Lauten und den dazu gehörigen Schreibungen.
Im Englischen gibt es z.B. 8(!) verschiedene Möglichkeiten, das lange „i“ zu schreiben. Es herrscht Vielfalt ohne erkennbares System:

  • „e“   in to be, me, meter
  • „ee“ in to see, been, to meet
  • „ea“ in meat, mean, dream
  • „ie“ in to believe, handkerchief
  • „ei“ in to receive
  • „i“   in ski,
  • „eo“ in people
  • „he's“ als Kurzform für he is

Viele dieser Wörter kommen im Anfangsunterricht vor!

Oftmals wird in den Schulen mit Hör-CDs gearbeitet. Gerade legasthene Kinder haben  aber im auditiven Bereich vielfach Probleme. Fallen Mimik und Gestik auch noch dazu weg, können Mundbewegungen nicht wahrgenommen werden, so stellt das eine große Erschwernis beim Verstehen und Umsetzen des Gehörten dar.

Viele Bücher haben einen zu kleinen Druck und sind für Kinder mit Lernproblemen unübersichtlich gestaltet. Fotos, Zeichnungen, Comics, Sprechblasen etc. sind verwirrend anzusehen. Texte werden oft in Spalten statt in durchgehenden Zeilen gedruckt, was das vorausschauende Lesen erschwert. Ausreichend große Drucktypen und Zeilenabstände wären wünschenswert – eine Vergrößerung auf etwa 120% löst einige Schwierigkeiten.
Viele Bücher und Workbooks enthalten nicht genügend Übungen, um neue Lerninhalte einzuschleifen und sicherzustellen. Legasthene Schüler benötigen ein besonders breit gefächertes Angebot, um Automatisierungen vollziehen zu können. Auch sollte Legasthenikern genügend Zeit zugestanden werden.

Lehrer sollten sich informieren und zugunsten der Schüler ihren pädagogischen Ermessensspielraum nutzen.