Legasthenie

Ihr Kind schreibt auch einfache Wörter immer wieder falsch? Sie haben täglich geübt und trotzdem sehen Sie keine Fortschritte? Sie werden zunehmend ungeduldiger und auch ärgerlicher? Sie werfen Ihrem Kind vielleicht sogar Faulheit vor?

Hinter all dem steckt aber sicherlich die berechtigte Angst: Was soll aus meinem Kind werden, wenn es so schlecht lernt?
Ihre Sorgen belasten zunehmend das Verhältnis zu Ihrem Kind, alles dreht sich nur mehr um das Thema Schule und Versagen.
Sprechen Sie zunächst mit der Lehrkraft Ihres Kindes und suchen Sie dann Hilfe bei einem guten Legasthenie-Spezialisten. Eine förderdiagnostische Austestung kann Klarheit bringen, ob eine Legasthenie vorliegt oder nicht.

Was ist Legasthenie?

Unter Legasthenie, auch als Lese-Rechtschreibstörung (LRS) bezeichnet, versteht man eine schwere Beeinträchtigung beim Erlernen des Lesens und/oder Rechtschreibens.

Obwohl ein Kind normal beschult wird, in intakten und liebevollen Familien­verhältnissen lebt und durchschnittlich oder sogar überdurchschnittlich intelligent ist, fällt es ihm extrem schwer, das Lesen und/oder Schreiben zu lernen. Da das Kind nur in diesem einen eng umgrenzten Bereich eine Lernstörung hat, spricht man auch von einer Teilleistungsstörung.

Häufig haben legasthene Kinder hohe Begabungen in anderen Bereichen, wie etwa im technischen, mathematischen, sozialen, sportlichen, handwerklichen oder musischen …

Es gibt Kinder, die nur beim Lesen oder nur beim Schreiben Probleme haben, meist tritt die Störung jedoch kombiniert als Lese-Rechtschreibstörung auf. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sind ca. 3 bis 5 Prozent aller Kinder betroffen, Buben häufiger als Mädchen.

Die Kinder leiden meist sehr unter ihren Misserfolgserlebnissen, so dass sehr häufig Folgeprobleme auftreten (z.B. nächtliches Einnässen, Bauchschmerzen….)

 
Wie zeigt sich Legasthenie?

Legasthenie kann sich ganz unterschiedlich in den Bereichen des Lesens und Schreibens äußern. Es gibt nicht die Legasthenie. Die Probleme sind individuell sehr unterschiedlich.

Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind von einer LRS betroffen ist, beantworten Sie die folgenden Fragen. Lassen Sie aber vorher auf alle Fälle die Lese- und Hörfähigkeit Ihres Kindes überprüfen, damit organische Ursachen ausgeschlossen werden können.

Symptomkatalog

Hat Ihr Kind die Buchstaben des Alphabets nur langsam gelernt?

Gelingt Ihrem Kind die Zuordnung von Buchstaben zu Lauten sehr schlecht?

Bereitet Ihrem Kind das Zusammenziehen von Einzellauten zu Worten große Schwierigkeiten?

Vermeidet Ihr Kind zu lesen und zu schreiben?

Lässt Ihr Kind Buchstaben aus, fügt welche hinzu oder ersetzt sie?

Liest Ihr Kind sehr langsam?

Verliert Ihr Kind beim Lesen häufig die Zeile?

Werden Wortendungen nicht gelesen?

Zeigen sich Aufmerksamkeitsstörungen nur beim Lesen und Schreiben, während das Kind ansonsten konzentriert arbeitet?

Hat Ihr Kind Schwierigkeiten, Reimwörter zu erkennen und Wörter in Silben zu gliedern?

Errät Ihr Kind beim Lesen Wörter?

Wirkt Ihr Kind beim Lesen und Schreiben verkrampft?

Hat Ihr Kind Schwierigkeiten, aus dem Gelesenen den Sinn zu entnehmen?

Macht Ihr Kind auch beim Abschreiben viele Fehler?

Schreibt Ihr Kind Buchstabe für Buchstabe ab?

Ist das Schriftbild uneinheitlich und unleserlich?

Wird der Seitenrand nicht beachtet?

Kommt es beim Schreiben zur Umstellung von Buchstaben (barten statt braten)?

Schreibt Ihr Kind innerhalb eines Textes das gleiche Wort unterschiedlich falsch und richtig (dan, dann, dahn)?

Vergisst ihr Kind beim Diktat Sätze oder Satzteile, obwohl es ansonsten ein gutes Gedächtnis hat?

Kann Ihr Kind auch kurze Wörter nicht richtig schreiben, selbst wenn sie zuvor häufig geübt worden sind?

Dauern die Hausaufgaben viel zu lange?

Klagt Ihr Kind während der Schulzeit über körperliche Beschwerden (Bauchweh, Kopfschmerzen), aber nicht oder nur selten während der Ferien?

Zieht sich Ihr Kind zurück oder wird es plötzlich provokant, kasperlt herum?

Gibt es in Ihrer Verwandtschaft Fälle von Legasthenie?

Je mehr Antworten Sie mit Ja beantwortet haben, umso wahrscheinlicher scheint das Vorliegen einer LRS. Lassen Sie Ihr Kind bei einem Spezialisten austesten. Ich verfüge über eine langjährige Erfahrung mit Kindern und auch Erwachsenen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Auch bin ich Mitglied beim Berufsverband der Legasthenietherapeuten und Legasthenietherapeutinnen.

Je früher eine qualifizierte Förderung beginnt, desto größer sind die Chancen auf eine entspannte und erfolgreiche Schulzeit.

 
Diagnostik und Therapie

Grundvoraussetzung für jede LRS-Therapie ist eine aussagekräftige Diagnostik. Deshalb ist eine gründliche und fachlich fundierte Austestung immer ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit. Dazu verwende ich standardisierte Lese- und Rechtschreibtests, sowie andere anerkannte pädagogische Testverfahren. Günstig ist es, wenn Sie Schulhefte, Kopien von Schularbeiten und Diktaten mitbringen.
Mit Hilfe der gewonnenen Daten erstelle ich einen individuellen Förderplan.

Die Austestung umfasst:

  • Erstgespräch mit den Eltern (ohne das Kind)
  • Ausfüllen eines anamnestischen Fragebogens
  • 2-3 Stunden Diagnostik á 60 Min.
  • Auswertungsgespräch inkl. Bericht
  • Bei Elternwunsch Gespräch mit der Lehrkraft des Kindes

Wenn Sie sich anschließend für ein Legasthenietraining bei mir entscheiden, so dürfen Sie darauf vertrauen, dass ich mit wissenschaftlich fundierten Materialien arbeite. Die Bedeutung von basalen Wahrnehmungstrainings (Training auditiver bzw. visueller Funktionen, Lateralitätstraining…) wird überschätzt. Zusätzlich als Ergänzung können sie aber durchaus hilfreich und lustvoll sein (z.B. Kinesiologie).
Computer können sinnvoll zur Unterstützung eingesetzt werden. Sie ersetzen aber niemals die systematische Anleitung!

Lesen lernt man nur durch Lesen und Schreiben nur durch Schreiben!

 
Folgen von LRS

Weil Lesen und Schreiben Grundvoraussetzungen auch für andere Schulfächer sind, dehnen sich die Schwierigkeiten häufig auch auf andere Fächer aus.
Zu Unrecht werden legasthene Kinder daher manchmal als dumm oder faul bezeichnet.
Ist das Lesen mühevoll, macht es auch keinen Spaß. Deshalb lesen betroffene Kinder außerhalb der Schule kaum Bücher. Diese Leseverweigerung kann langfristig negative Auswirkungen auf den mündlichen Ausdruck, auf die Wortwahl, auf den Wortschatz und auf die Satzstruktur haben.
Versuchen Sie daher, Ihr Kind immer wieder zum Lesen zu motivieren (Lesepass mit Belobigungsstempel für lautes Vorlesen). Achten Sie bei der Auswahl jedoch darauf, dass Ihr Kind den Text hinsichtlich Umfang und Inhalt bewältigen kann. Auch die Schriftgröße ist wichtig!

 
Jugendliche und Erwachsene

LRS wachsen sich nicht einfach aus, sie hören mit zunehmendem Alter nicht einfach auf. Die Probleme, die am Ende der Volksschulzeit bestehen, finden in einer Hauptschule oder AHS ihre Fortsetzung. Bei gezieltem und kontinuierlichem Üben zeigt sich jedoch in fast allen Fällen eine Steigerung der Leistungen. Insbesondere das Lesen verbessert sich bei vielen Jugendlichen, auch das Rechtschreibtraining führt langfristig zu einer Fehlerreduzierung. Allerdings bleiben Jugendliche mit LRS auch auf weiterführenden Schulen in diesem Bereich, also beim Lesen und Schreiben, meist unter dem Klassendurchschnitt.
Auf Grund des chronischen Verlaufs kann man davon ausgehen, dass auch im Erwachsenenalter die Legasthenie häufig ist. Ein Legastheniker bleibt ein Leben lang Legastheniker, kann aber lernen, damit erfolgreich umzugehen. Einzelne Biografien zeigen, dass auch Legastheniker ein Studium erfolgreich abschließen können.

Hier gilt, auch wenn es oft hart ist: Niemals aufgeben!